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Letzte Woche war im Terranea Resort, kurz vor der Stadtgrenze von Los Angeles, die Welt-Elite der großen Software-Unternehmen zu Gast. Es war Code Conference (die mit dem roten Stuhl) und jeder hatte was zum Thema Machine Learning und künstliche Intelligenz zu sagen: Elon Musk (Tesla-Chef, SpaceX-Chef, Internet-Meme) versucht mit seiner Non-Profit-Organisation “Open AI” Fortschritte bei der KI nicht in die Hände weniger zu geben. Jeff Bezos (Amazon-Chef, Washington-Post-Chef, wär gern Internet-Meme) lässt gerade mehr als 1000 Menschen an “Alexa” arbeiten. Und Google-CEO Sundar Pichai hat sich im kommenden KI-Krieg schon mal auf dem eisernen Thron breit gemacht.

KIs, Machine Learning, neuronale Netze sind überall. Zusehends werden sie zu sinnentleerten Buzzwords, die man in der Tech-Welt halt so drauf haben muss, um mitspielen zu dürfen. Letzte Woche sagte der Chef von Tronc, das Verlagshaus mit dem dümmsten Namen der Welt, folgendes: “Our transformation strategy is focused on leveraging artificial intelligence and machine learning to improve the user experience and better monetize our world-class content in order to deliver personalized content to our 60 million monthly users and drive value for all of our stakeholders.”

Ja, gut. Was auch immer.

Mission >= Statement

Dieser Newsletter will nicht so sein wie Tronc. Künstliche Intelligenz ist mehr als nur ein Buzzword, das einem während des Conference Calls mal aus dem Mund fällt. Ich bin davon überzeugt, dass künstliche Intelligenz unser alltägliches Leben auf den Kopf stellen wird. Und je besser wir Bescheid wissen, wo die Grenzen und Möglichkeiten der Technik liegen, desto besser können wir uns darauf einstellen und teilhaben. Verschwinden wird KI nicht mehr. Denn wie KI-Pionier John McCarthy schon wusste: “As soon as it works, no one calls it AI anymore” (auch als AI Effect bekannt)

Google ist schon im Jahr 2023

Google hat in den letzten Jahren wirklich beachtliche Erfolge im Machine Learning erzielt. Letztes Jahr gab Pichai bekannt, dass die Fehlerrate für die Spracherkennung bei 8 % liege. Aktuellere Zahlen gibt es zwar nicht, man kann aber davon ausgehen, dass Google in den letzten 12 Monaten seinen Vorsprung noch weiter ausgebaut hat. Der Grund: Google baut seine eigenen Prozessoren, keine CPUs, sondern TPUs. Diese Prozessoren können zwar keine normalen Programme ausführen, sind dafür aber extrem schnell, wenn es um Machine Learning geht. Im Original-Blogpost von Google brüsten sich die Entwickler mit der Geschwindigkeit der Chips: “This is roughly equivalent to fast-forwarding technology about seven years into the future (three generations of Moore’s Law).”


Magenta is the new Black

Wo wir schon bei Google sind: Der Konzern hat letzte Woche sein Magenta-Projekt vorgestellt:

We’re happy to announce Magenta, a project from the Google Brain team that asks: Can we use machine learning to create compelling art and music? If so, how? If not, why not?

Gleich zu der Ankündigung gab’s auch schon den ersten Hit aus der Maschine. Der klingt zwar noch etwas spartanisch, aber anhörbar ist es auf alle Fälle. Auf Popular Science gibt’s eine kleine Zusammenfassung, wie der Stand der KI-Kunst ist. Was so spannend an dieser neuen, generativen Kunst ist: Der Quellcode der meisten Programme findet sich auf Github. Da gibt es zum Beispiel Deepjazz, das neue Jazz-Kompositionen aus Midis generiert und sich nicht schlecht anhört. Oder irische Folk-Songs.

Was Google mit dem Magenta-Projekt natürlich auch will: Werbung für sein Tensorflow-Tool machen. Bisher werden nämliche kreative Projekte mit anderen Toolkits wie Theano, Torch oder Cafe umgesetzt. Google will sich mit Magenta in die Herzen der Hobby-Coder spielen.

Kleinigkeiten

- Geohot ist zurück! George Hotz (PS3-Hack, iOS-Hack, Internet-Meme) hat TheVerge seine Technologie gezeigt, die verspricht aus jedem neueren Wagen ein selbstfahrendes Auto zu machen. Und zwar nur für 1000 Dollar.

- Ein Machine-Learning-Algorithmus hat einen Gefängnis-Code geknackt. Gefängnistelefonate werden in den USA immer mitgeschnitten. Die KI hat schnell herausgefunden, dass die Gefangenen das Wort “three way” wesentlich öfter als üblich verwenden. Der Grund: Bei einem “Three-Way” stellt der Gesprächspartner draußen eine Konferenzschalte mit einem dritten her. So können sich Insassen mit Leuten austauschen, die nicht auf der Anrufliste stehen. Das Spannende an dem Algorithmus: Er hat nicht die Audiodaten analysiert, sondern nur die Hüllkurven des Audios. So was hier. Diese Technik macht Gesprächsanalysen deutlich billiger als gedacht.

- Good news, everyone: Googles Deepmind hat einen Notfall-Notfall-Knopf für KIs entwickelt. Selbstlernende Algorithmen schaden manchmal sich selbst und auch ihrer Umgebung. Damit das nicht passiert, müssen ihre menschlichen Trainer öfter mal den Stecker ziehen. Aber: Was ist, wenn die KI weiß, dass der Stecker gezogen werden soll und sich gegen das Abschalten wehrt? Das Paper von Deepmind - also die Entwickler von Alpha-Go - schlägt jetzt einen Notfall-Knopf für diesen Fall vor.

- Ross Goodwin hat einen KI-gestützen Text-Editor gebaut: Wordsynth. Einfach Text auf Englisch tippen, die Tab-Taste drücken und das Programm ergänzt den Rest. Die Technik hat Autor Robin Sloan vor ein paar Wochen gezeigt. Ich habe damals versucht mit Sloans Tutorial auch eine Christian-Alt-KI zu bauen, die ich mit allen je von mir geschriebenen Texten trainiert hab. Hat nicht so geil funktioniert. Aber vielleicht kommen wir ja irgendwann dahin, dass ich nur noch Tab drücke und dieser Newsletter sich von selbst schreibt.

- Übrigens: Wer gar keine Lust mehr hat, irgendwas in diesem Internet zu machen, der kann sich hier für die Beta von Doli.io anmelden. Der Dienst verspricht, sich um alle Social-Media-Kanäle zu kümmern und selbstständig zu posten, zu liken und zu sharen. Gut, dann kann ich mich ja endlich auf die wichtigen… Boah, guck mal, die Tagesschau ist auf Giphy


Das war’s. Nächste Woche geht’s weiter. Da geht’s vermutlich mehr um Apple, denn am Montag soll ja das Siri SDK vorgestellt werden.

Falls euch die erste Ausgabe gefallen hat, empfehlt den Newsletter doch weiter.

Bis dahin eine schöne Woche

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Christian Alt


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Ein Newsletter über Künstliche Intelligenz, Machine Learning, neuronale Netzwerke und die Zukunft des Computings.

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