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“The age of intelligent machines will see huge numbers of individuals unable to work, unable to earn, unable to pay taxes.”

Willkommen beim optimistischen Zukunfts-Newsletter für alle High-Performer, Changemaker, Entrepreneurs und was sonst noch so in schlimmen Tinder-Bios steht.

Wir haben 100 Leute gefragt

Das Zitat von oben stammt von Andrew Ng. Der frühere Googler, der heute bei der chinesischen Konkurrenz Baidu arbeitet, wurde vom Wall Street Journal gefragt: “What’s next in artificial intelligence?” Andrew Ng sagt:

Truck driving is one of the most common occupations in America today: […] Very soon, however, all those jobs could disappear. Autonomous vehicles will cover those same routes in a faster, safer and more efficient manner. What company, faced with that choice, would choose expensive, error-prone human drivers?

Sein Vorschlag:

We need to update the New Deal for the 21st century and establish a trainee program for the new jobs artificial intelligence will create. We need to retrain truck drivers and office assistants to create data analysts, trip optimizers and other professionals we don’t yet know we need.

Wer zynisch und gemein ist, denkt jetzt: Gut, dass ich was Gescheites gelernt hab. Zu früh gefreut. KI wird jede Branche, jeden Markt aufräumen und Dinge automatisieren, die heute noch unmöglich scheinen (diesen Newsletter schreiben zum Beispiel). Und das, bevor wir alle in Rente sind. Wo wir gerade so schön apokalyptisch sind: Das Wall Street Journal hat auch Nick Bostrom befragt, also den Philosophen, von dem Elon Musk all seine “crazy” Ideen hat. Bostrom glaubt ja schon seit langem, dass KI das größte Risiko für die Menschheit darstellt. Sowohl im Text für das Wall Street Journal als auch im Guardian-Porträt meint er: We’re like children playing with a bomb.

Den Text sollte man wirklich lesen, vor allem, weil er Bostrom eben nicht nur auf ein kerniges Zitat wie das oben reduziert. Die Superintelligenz ist zwar noch ein bisschen weit weg, aber: “If we are thinking of this very long time frame, then it is clear that very small things we do now can make a significant difference in that future.” Nach solchen Worten hilft es den Artikel der Washington Post zu lesen. Die meint: Alles nicht so schlimm. Relax.

Eine Prise Siri

Ganz ehrlich: Siri nervt. Siri versteht nur die Hälfte, ist lahm und nicht wirklich intelligent. Von meinen Suchanfragen versteht Siri die Hälfte, Google Now an die 90 Prozent. Jetzt will Apple seine Siri endlich besser machen. Erster Schritt: Siri kommt jetzt auch auf den Mac und sitzt ab der nächsten macOS-Version im Dock. Von der stillen Ecke aus, beantwortet Siri dann alle Fragen, die sie jetzt schon beantworten kann. Alle neuen Tricks, die Siri auf dem iPhone drauf hat, kommen anscheinend nicht auf den Mac, wie ArsTechnica schreibt. Apple hat Siri jetzt erstmals für Entwickler geöffnet: Siri kann bald Nachrichten über Whatsapp schreiben, mit MyTaxi eine Fahrt buchen, usw. Aber: Apple hat sich eine Hintertür offen gelassen. Spotify, Google Maps, Netflix und einige andere Apps, werden nicht von Siri profitieren.

Jippie, ein neues Buzzword!

Eine wichtige Diskussion ist aber auch der Datenschutz. Apple hat sich seit längerem als Datenschutz-Vorreiter positioniert. Auf jeder Keynote wird betont, dass alle Daten lokal auf dem Gerät bleiben und dort verarbeitet werden. Das freut uns, ist aber ein massiver Geschäftsnachteil. Denn selbstlernende Algorithmen werden nur besser, wenn man sie mit Daten füttert. Das ist der Grund, warum Google bei seinem Messenger Allo die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung nicht standardmäßig aktiviert.

Apple geht einen anderen Weg. Sie wollen “die netten Durchleuchter” sein, wie Hakan Tanriverdi in der SZ schreibt. Apple setzt sich auf eine Technik, die bisher nur in Fachjournalen rumgegeistert ist: Differential privacy. Unsere Daten werden von unserem iPhone bald künstlich aufgeblasen und randomisiert, bevor sie in die Serverfarmen zur Weiterverarbeitung geschickt werden. Apple will KI-Wettrüsten mithalten, ohne sich die spacegraue Weste schmutzig zu machen. Einziges Problem bislang: Wir haben keine Ahnung, ob das stimmt. Die Algorithmen zur Verschlüsselung sind nicht open source, niemand hat Apple über die Schulter geschaut. Ok, einer hat’s getan: Aaron Roth, einer der beiden Erfinder von Differential Privacy. Er meint, Apple wäre “visionary”. So stand es auf der Präsentation, gegenüber Wired war Roth ein bisschen weniger überschwänglich. Das heißt es nur: “I think they are doing it right.

And now for something completely different…

- Ich hab eine neue Lieblingswebseite: Metacademy. Hier findet man unglaublich viele Lexikon-Artikel zu Machine Learning und generell zu künstlicher Intelligenz. Wer selbst was über Machine Learning lernen will: Hier gibt es alles.

- Für die, die sich eh schon total auskennen: Tomasz Malisiewicz fasst in seinem Blog alle neuen Entwicklungen aus der Computervision zusammen. Mit jeder Menge Szene-Starpower.

- Für die, die sich überhaupt nicht auskennen: Die Risikokapital-Firma Andreessen Horowitz hat ein Überblicksvideo über “AI and Deep Learning” produziert. Ich war wirklich überrascht, wie gut das war. Sie erzählen die Geschichte der KI von den Fünfzigern bis heute nach und stellen neueste Projekte vor. Ein kleines KI-Biopic.

- Das KI-Biopic könnte dann in Zukunft auch gleich die KI schreiben. Erste Schritte gab es letzte Woche schon: Ars Technica hat eine KI ein Filmdrehbuch schreiben lassen und den Film dann mit Hollywood-Schauspielern gedreht. Ganz groß. Im Text auf der Seite wird auch beschrieben, wie genau die Drehbuch-KI funktioniert.

- Auch das Magazin The Atlantic arbeitet an schreibenden KIs. Nur klappt das auch noch nicht so wirklich.

- Wenn wir schon mal apokalyptisch starten, sollten wir auch so aufhören: Googles Deepmind will mit dem “Royal Free London NHS Foundation Trust” (ganz ehrlich: wer denkt sich so einen Namen aus?) zusammenarbeiten. Dem Trust gehören mehrere Krankenhäuser in Großbritannien. Deepmind will an die Patientendaten ran und diese durch die KI jagen. MRT-Bilder, Herzschläge von Föten, Blut-Tests. Das große Problem: Die Daten sind nicht anonymisiert und sollen sogar fünf Jahre rückwirkend rausgegeben werden. Klar, KI wird der Schlüssel für die Heilung vieler Krankheiten sein. Nur sollten wir vielleicht jetzt schon mal schauen, wie wir unsere Daten so unkenntlich machen, dass wir als einzelne Personen nicht mehr identifiziert werden können. Vielleicht ist ja Differential Privacy die Antwort?


Das war’s für diese Woche. Ich freu mich wie immer über Feedback. Entweder gleich hier per Mail oder auf Twitter (@caltf4). Wenn euch der Newsletter gefallen hat, erzählt euren Freunden davon.

Bis nächste Woche!

Christian

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Christian Alt


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Ein Newsletter über Künstliche Intelligenz, Machine Learning, neuronale Netzwerke und die Zukunft des Computings.

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