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“Unsere KI hat uns gesagt: Wenn ihr wollt, dass euer Horrorfilm beim Publikum ankommt, dann muss sowohl ein Geist als auch eine Familiengeschichte vorkommen. Und im Trailer muss ein Klavier und eine Badewanne zu sehen sein, damit euer Zielpublikum den Film mag.” - Jack Zhang

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Was ihr wollt

Jack Zhang ist ein Schrauber. Fünf Jahre lang hat er an seiner Software getüftelt, Daten reingeschaufelt, Drehbücher eingelesen und immer wieder Tests durchgeführt. Das Ergebnis ist “Impossible Things”, der erste Film, bei dem eine “KI” Co-Autor war. Zhang hat durch seine Software unzählige Drehbücher von Horrorfilmen analysieren lassen und diese Ergebnisse dann mit dem Erfolg an der Kinokasse verglichen. Die “KI” hat dann entschieden, dass sich Menschen total in die Buxe machen, wenn eine Badewanne im Bild ist.

“Das wird der gruseligste und unheimlichste Film aller Zeiten” - Jack Zhang

Nein. Gerade sucht Zhang auf Kickstarter Geld für sein Projekt. Bitte gebt ihm keins. Dafür sieht der Film nämlich viel zu schlimm aus. Den Trailer gibt’s hier.

Dass Zhang seine Software so in den Vordergrund stellt, ist natürlich kein Zufall. Auch wenn der Film floppt, vielleicht kann er seine “KI” dann noch einem Filmstudio andrehen. Dass große Studios sowieso in Big Data und Datenanalyse investieren ist schon lange klar. Piedmont Media Research kann zum Beispiel vorhersagen, wie erfolgreich ein Film wird. Und zwar so detailliert, dass Besetzungsentscheidungen vorhergesagt werden.

“Denzel Washington. Immer wenn wir den Namen Denzel Washington zu einem Film hinzufügen, steigt unser Erfolgs-Score für den Film um 30 bis 40 Prozent. Egal welcher Film.” - Josh Lynn

Das Zitat stammt aus einem Podcast mit Josh Lynn, der bei Piedmont Media Research arbeitet. Zhangs “KI” scheint also nicht mehr zu können als die bisherigen Tools der großen Studios. Ich glaube, wir werden in den nächsten Jahren noch einige Jack Zhangs sehen. Snake-Oil-Verkäufer, die ihre unausgegorenen Geschäftsideen mit dem Begriff “KI” pimpen, um ahnungslosen Käufern ein paar Taler aus der Tasche zu locken.

I can’t feel my face

Computervision-Spezialisten aus Russland haben eine Technik entwickelt, die das Internet revolutionieren wird: Aus ganz normalen Porträts werden Gifs, die mit den Augen rollen! So kann man jede Diskussion ganz schnell abkürzen. Deepwarp heißt die Technik und kann hier noch mal ganz ernsthaft als wissenschaftliches Papier heruntergeladen werden. Überhaupt passiert gerade einiges auf dem Gebiet der Gesichtserkennung und -manipulation. Ihr solltet dringend dem Twitteraccount Smilevector folgen. Dahinter steckt ein Bot, der normalen Bildern ein Lächeln auf die Lippen zaubert.

Und ganz neu: eine KI, die den Herzschlag von Menschen schätzt - anhand eines Videos. Die Technik funktioniert so: Unsere Hautfarbe ändert sich, je nach Blutfluss. Mit dem menschlichen Auge sind diese Änderungen kaum zu sehen, aber die Rechenpower eines neuronalen Netzwerks kann aus stinknormalen Videos diesen Blutfluss errechnen. Und hat man den Blutfluss, kann man so den Herzschlag berechnen. Crazy. Das Paper gibt es hier. Und ein Beispielvideo findet sich hier. Natürlich steckt die Technik noch in den Kinderschuhen, aber je höher die Auflösung der Kameras ist, desto aussagekräftiger die Ergebnisse.

Infinite Monkeys

Es gibt jetzt eine Literaturzeitschrift nur mit Texten, die von Maschinen geschrieben wurden: CuratedAI. Hier ein Auszug der Kurzgeschichte “Computer”:

“computer by a roadside in the river where you go back into houses of sand as i do in a valley of wood with my garden i am a small man who is the first the same of your body” - Autor-KI Deep Gimble

Ok, ein bisschen Luft nach oben ist da noch. Aber: Bevor eine KI es ernsthaft mit Shakespeare aufnehmen kann, vergeht noch jede Menge Zeit. Google hat diese Woche einen wichtigen Schritt getan, damit der KI-Shakespeare noch schneller kommt: Die Cloud Natural Language API. Damit Software eine Geschichte schreiben kann, muss sie erst einmal verstehen, wie menschliche Sprache überhaupt funktioniert. Google ist hier ohnehin schon weit vorne und wird seinen Vorsprung mit der API jetzt vermutlich noch weiter ausbauen. Software-Entwickler haben hier zum ersten Mal eine Sprachschnittstelle, die sie frei ansprechen können. Man kann also Sprachdaten zu Google schicken, sie von denen interpretieren lassen und Google schickt sie in reiner Textform zurück. Die Daten dienen natürlich dazu, die Services von Google noch besser zu machen. Auch auf anderen Gebieten liegt Google gerade vorn: Ihr AI-Toolkit Tensorflow ist ein halbes Jahr nach Erscheinen das populärste überhaupt, wie Bloomberg schreibt.

Kleinigkeiten

  • Wo wir schon bei Google sind: Der Konzern arbeitet gerade daran, Comics auf dem Smartphone besser lesbar zu machen. Die Idee: Wir füttern eine KI mit jeder Menge Comic-Scans. Die soll dann rausfinden, wo die Sprechblasen sind. Und sobald diese identifiziert sind, kann die Software superkleine Sprechblasen in digitalen Comics automatisch aufblasen. Das Feature wird noch dieses Jahr für Google Play Books kommen.

Das war’s für diese Woche. Ich freu mich wie immer über Feedback. Entweder gleich hier per Mail oder auf Twitter (@caltf4). Wenn euch der Newsletter gefallen hat, erzählt euren Freunden davon.

Bis nächste Woche!

Christian

PS: Dieser Newsletter hat jetzt eine eigene Webseite! Unter altf4.cool könnt ihr alle alten Folgen nachlesen.

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Christian Alt


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Ein Newsletter über Künstliche Intelligenz, Machine Learning, neuronale Netzwerke und die Zukunft des Computings.

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